Historie
Historie
Ein exotisches Aroma und ein Duft, der uns in 1001 Nacht entführt, verbergen sich hinter der roten Schale des Granatapfels. Im Osten ist der Granatapfel seit jeher das Sinnbild der Unsterblichkeit, und es heißt, dass er als Baum des Lebens schon im Paradies stand.
Um kaum eine andere Frucht ranken sich so viele Mythen und Geschichten wie um den Granatapfel. Seine Schale verbirgt in ihrer kugeligen Form eine geheimnisvolle Vielfalt an Kernen in einer besonderen Anordnung. In der jüdischen und islamischen Tradition offenbaren sich im Granatapfel die unendliche Zahl der Eigenschaften und der Güte Gottes.
Seine wunderschöne Blüte gilt als ein Symbol der Liebe, sowohl der geistigen wie der körperlichen, und seine unzähligen Kerne symbolisieren die Fruchtbarkeit. In Griechenland ist es bei Hochzeiten üblich, auf das Brautpaar mit getrockneten Granatäpfeln zu werfen. Platzt eine Frucht auf und fallen dann die Samen heraus, so verspricht dies reichen Kindersegen.
Granatäpfel stammen ursprünglich wahrscheinlich aus dem Raum der indischen
Himalayagebiete, Pakistan und Iran. Der Baum war aber schon im dritten Jahrtausend
v. Chr. bis nach Ägypten vorgedrungen. Damit gehört er zu den ältesten
Kulturpflanzen überhaupt. Auf Grabgemälden aus der Zeit 2500 v. Chr.
sind Granatäpfel abgebildet, ebenfalls in den Grabkammern Ramses IV.
Die löwengestaltige Kriegsgöttin Sachmet (sie ist auch die ägyptische
Heil- und Arztgöttin) trank regelmäßig den blutroten Granatapfelsaft.
Dadurch erhielt sie die Kraft, die Feinde der Götter und Könige zu
besiegen.
Das Gelobte Land nach der Beschreibung des Alten Testaments ist „ein schönes Land, ein Land mit Wasserbächen, Quellen und Strömen, ein Land mit Weizen und Gerste, Weinstöcken, Feigen- und Granatbäumen, ein Land mit Ölbäumen und Dattelhonig“ (5 Mose 8,8). Die Wüste wird dagegen als ein Land beschrieben, in dem es „keine Saat gibt, kein Weinstock und kein Granatapfel gedeiht" (4 Mose 20,5).
Für die biblische Archäologie ist besonders interessant, dass ein als Granatapfel geformtes Schmuckstück aus Elfenbein wiederentdeckt wurde. Möglicherweise handelt es sich um den einzigen erhaltenen Kultgegenstand des Ersten Tempels in Jerusalem. Dieser wird in den biblischen Texten mit der Gestalt des Königs Salomo (im 10. Jh. v. Chr.) verbunden. Die auf dem Objekt befindliche Inschrift weist darauf hin, dass es sich um ein heiliges Weihegeschenk handelt. Welche Bedeutung hat das Symbol "Granatapfel" hier? In der antiken Welt ist die Frucht sehr eng mit Fragen der Leben erhaltenden und reproduzierenden Funktion von Fruchtbarkeit verknüpft. Dass in biblischen Texten der Granatapfel als kultischer Schmuck dient, ist durch die Archäologie ebenso wie durch biblische Texte als sicher vorauszusetzen.
In der Bildersprache des Hoheliedes Salomos wird die runde Form des Granatapfels mit der Schönheit einer Frau verglichen. Sein köstlicher roter Saft ist der Nektar der Liebenden, der Duft seiner vielen Blüten ist der Inbegriff des erwachenden Frühlings in seiner Lieblichkeit. Im Kapitel 4, Vers 3 heißt es: "Einem Karmesinband gleich sind deine Lippen und dein Plaudermund ist lieblich. Gleich dem Riss im Granatapfel schimmert deine Schläfe hinter deinem Schleier hervor." Die Geliebte wird mit einem Park voller Granatäpfel verglichen. In einem Park mit Granatapfelbäumen wollen sich die beiden Geliebten treffen, und die Frau träumt davon, ihrem Geliebten den Saft der Früchte zum Trinken zu geben.
Einige Forscher sind der Meinung, dass es sich im Garten Eden bei der Frucht vom Baum des Lebens um einen Granatapfel gehandelt habe. Das ist angesichts seiner Verbreitung und der mit ihm verbundenen Bedeutung nicht unwahrscheinlich.
Wie jedes Jahr anlässlich des Festes „Rosch Haschana“ sprechen viele Juden am Festabend den speziellen Spruch über den Granatapfel: „Möge es Dein Wille sein, unser ewiger Gott, und der Gott unserer Väter, dass unsere guten Taten sich vermehren wie die Kerne des Granatapfels.“
Der Granatapfel wurde dem Alten Testament als Symbol für die Reinheit und Jungfräulichkeit der Mutter Jesu entliehen. Ab dem christlichen Mittelalter wurde er als Reichsapfel zum Symbol der Herrschertugend. Viele Könige sind mit einem Reichsapfel abgebildet, Dürer stellt Kaiser Maximilian I. mit einem angeschnittenen Granatapfel in der linken Hand dar. Und das Christentum macht den Granatapfel zum Symbol der die köstlichste Frucht gebärenden Jungfrau Maria; die Blüte wird zum Sinnbild feuriger Liebe.
Der Granatapfel wird zusammen mit dem Kreuz auch als Symbol auf Kirchtürme gesetzt. In Granada war Johannes von Gott aktiv. Von dort aus hat sich sein Orden verbreitet und dieses Symbol übernommen. Der Granatapfel ist auch ein Symbol der Liebe, der christlichen Liebe. Meistens wird er geöffnet dargestellt, das heißt, er gibt sich für die anderen her. Aus dem Granatapfel heraus wächst das Kreuz, das ein Symbol für Liebe und Erlösung ist.
Schon im frühen Altertum war die Pflanze im ganzen Mittelmeergebiet verbreitet, in den Riten der Syrier und Phönizier spielte der Granatapfel eine große Rolle. In der griechischen Mythologie galt er als Symbol der Fruchtbarkeit oder wurde bestimmten Göttinnen zugeordnet (Demeter, Persephone, Aphrodite und Athene). Es hieß, die Göttin Aphrodite selbst habe ihn auf Zypern gepflanzt, Odysseus fand ihn beim König der Phäaken vor. Die Fruchtbarkeit ist gleichzeitig mit dem Tod verbunden, denn zahllose Muttergöttinnen werden auch als Herrin der Unterwelt oder Kriegsgöttin verehrt. So konnte Persephone, die Tochter der Erdgöttin Demeter, die Unterwelt nur zeitweise verlassen, nachdem sie dort drei Kerne des Granatapfels gegessen hatte, dies ist ein Hinweis auf die Abläufe von Werden und Vergehen.
Die Römer importierten Granatäpfel vor allem aus der phönizischen Kolonie Karthago in Nordafrika und gaben ihm daher entweder den Namen phönizischer Apfel (Malum punicum) oder nach den enthaltenen Körnern den Namen körniger Apfel (Malum granatum). Das Adjektiv punicus bezieht sich eigentlich auf Phönizien in Kleinasien, wurde von den Römern aber hauptsächlich für die phönizische Kolonie Karthago in Nordafrika gebraucht. Der botanische Gattungsname Punica ist die weibliche Form dieses Adjektivs – wie für einen fruchttragenden Baum angemessen. Das lateinische Adjektiv puniceus bedeutet granatrot. In Rom war der Granatapfel in der Hand der Göttin Juno ein Symbol der Ehe. Der Baum wurde wegen seiner feuerroten Blüten als Sinnbild von Liebe, Ehe und Fruchtbarkeit gesehen. Bräute trugen einen Kranz aus blühenden Granatapfelzweigen.
Die Parsen, Nachfolger des iranischen Religionsstifters Zarathustra, fertigen aus den Zweigen des Granatapfelbaums heilige Besen. Auch bei Geburt und Tod hat die Frucht ihre Bedeutung. Den Neugeborenen wird ein Faden gegeben, der sie das ganze Leben begleiten soll. Während der Zeremonie werden Kerne des Granatapfels geworfen. Beschließt ein Parse sein Leben, träufelt man dem Sterbenden Granatapfelsaft in den Mund. Die iranische Aredivi Sura Anahita ist die Göttin des Wassers und der Fruchtbarkeit, sie wird mit einer Granatapfelblüte vor ihren Brüsten dargestellt. Im Buddhismus gehört der Granatapfel ebenfalls zu den heiligen Früchten. In der Alchemie galt er als lebensverlängernde Frucht. Für die Vertreter der chinesischen Alchemie war der helle rötliche Saft die „konzentrierte Seele” und brachte Langlebigkeit oder sogar Unsterblichkeit.

